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DIE BOOKERIN Katrin Schlotfeldt (Artist Alife)


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Text: Alexis Waltz
Erstmals erschienen in Groove 149 (Juli/August 2014) als Teil des „Techno-Kapitalismus“-Specials

Katrin Schlotfeldt ist eine der einflussreichsten Bookerinnen im deutschsprachigen Raum. Wir sprachen mit ihr über ihre Arbeit, die negativen Veränderungen der vergangenen Jahre in der Szene und wie man sich den Spaß dabei trotzdem nicht verderben lässt.

Die elektronische Musik lernte Katrin Schlotfeldt in der legendären Frankfurter Technoszene der Neunziger kennen. Eine folgenreiche Begegnung hatte sie 1998, als sie als Bookerin bei Cocoon Richie Hawtins „Plastikman – Artifakts“-Tour organisierte. 2006 machte sie sich mit Hawtin selbstständig. In ihrer gemeinsamen Agentur buchte sie Künstler wie Magda, Troy Pierce, Marc Houle oder Heartthrob. Im Januar löste Hawtin die Firma auf, um zur großen, internationalen Agentur Wiliam Morris zu wechseln. Schlotfeldt begann für Artist Alife (Chris Liebling, Loco Dice) zu arbeiten, wo sie sich unter anderem um die Auftritte von Tale Of Us kümmert.

 

Katrin, was hat sich in der Szene in den vergangenen Jahren verändert?

Die Industrie in den USA hat gemerkt, dass man auch mit House und Techno Geld verdienen kann und nicht nur mit David Guetta. In Las Vegas besuchen 150.000 Menschen den Electric Daisy Carneval. Solche Zahlen sind hier unvorstellbar. [Das amerikanische Veranstaltungs-Konglomerat] SFX kauft alles auf, was Rang und Namen hat. Da zeichnet sich eine krasse Entwicklung ab.

Wie wirkt sich das auf Veranstaltungen in Europa aus?

Auf dem Monegro Desert Festival im spanischen Fraga tanzen seit 1994 jedes Jahr 40.000 Leute zu Techno, Drum’n’Bass und HipHop. Es gab dort aber nie Trance. Für mich stand Monegro immer für eine bestimmte Kompromisslosigkeit. Auf einmal ist eine Übernahme im Gespräch. Und dann spielt da Steve Aoki. Und du denkst dir: Da stimmt doch was nicht.

Wie wirken sich diese Veränderungen auf deinen Bereich aus?

Große Agenturen übernehmen Künstler, die gerade von 500 Euro auf 2.000 Euro hochgepusht wurden. Sie sind Newcomer und trotzdem kann sie sich niemand mehr leisten. Sie haben auch eine andere Herangehensweise an Festivals. Die platzieren viel früher als eine Agentur wie unsere ihre Acts. So gibt es immer mehr Line-ups, die zu 80 Prozent von einer einzigen großen Agentur stammen.

Neuerdings ist das Billing ein großes Thema: Wie weit oben erscheint ein DJ-Name auf dem Festivalflyer? Wie gehst du damit um?

Früher kam ein Booking rein und du hast nicht mehr gemacht als den Technical Rider zu verschicken. Ein paar Tage vorher hast du erfahren, wann du spielst. Dann wurde ein bisschen rumdiskutiert und es war gegessen. Heute werden alle Parameter – Performance-Zeiten, Billing, Spesen – ausgehandelt, bevor du das Booking confirmst. Oft ist das dann nicht so wie vereinbart. Dann rufst du an.

Warum ist es so wichtig, wo der Name erscheint?

Um die Karrieren der DJs nach vorne zu bringen. Das kommt aus dem Rock- und Pop-Geschäft. An erster Stelle steht Metallica und an zweiter Guns N‘ Roses. Also sind Metallica größer. Wenn ich einen Gig wegen des Billings cancele, denke ich, ich habe meinem Beruf verfehlt. Die Frage ist: Welche Einstellung hat man dazu? Ich behandele das mittlerweile wie ein Spiel, wie eine Art von Sport. Man schreit sich dann auch an, das ist unvermeidbar.

Die erfolgreichen DJs stehen im Ruf, unrealistische Gagen zu verlangen. Was treibt sie an?

Die Gagen sind zum Teil enorm, aber damit muss auch ein Riesenteam finanziert werden, nicht nur drei oder vier Leute. Mit Social Media ist ein ganz neuer Zweig dazu kommen, mit dem viele Leute viel Geld verdienen. Manche DJs fragen sich auch: Wie lange mache ich das noch? Wie lange bin ich noch gefragt? Andere haben Probleme mit den Ohren. Die wollen mitnehmen, was mitzunehmen ist.

Wie lässt du dir bei all dem nicht den Spaß an der Arbeit verderben?

Ich habe es am liebsten gemocht, wenn ein Club gesagt hat: Das ist das Budget, bitte mach was draus. Da habe ich dann Magda, Troy [Pierce] und Marc [Houle] verbucht. Die hatten die ganze Nacht und haben einen Appel und ein Ei verdient. Das machen Künstler irgendwann nicht mehr. Rich[ie Hawtin] hat auch im Robert Jonson gespielt, aber eben immer seltener.

Und heute?

Natürlich sieht der Künstler nicht alles so wie ich, aber man vertraut sich schon. Im Sommer ist die Festivalsaison, da liegt das Clubleben außer in Berlin brach. Im Herbst versuche ich, die Clubs zu bedienen. Natürlich kommen da nicht alle zum Zug. Wenn eine Anfrage aus Plauen kommt, können wir da keinen Großen hinbuchen. Für diese Künstler sind die Zahlen da nicht überzeugend. Deshalb kann sich die Szene an solchen Orten vielleicht auch nicht mehr so entwickeln.

Können die Clubs abseits der Metropolen in diesem Markt überleben?

Mittlerweile haben viele Künstler keinen Bock mehr auf die großen Bühnen, weil du so weit weg bist von der Crowd. Dann connectest du nicht. Da haben die Clubs wieder eine Möglichkeit, die DJs für sich zu gewinnen. Das bleibt aber natürlich selektiv.

Was ist die größte Herausforderung für die Zukunft?

Seine Leidenschaft nicht zu verlieren – als Booker wie als Künstler. Du gibst den Leuten die Möglichkeit, alle Sorgen zu vergessen und etwas mitzunehmen. Als Teenager bin mit zwanzig Mark in der Tasche mit meiner Schwester [in Frankfurt] ins Omen gegangen: Eintritt bezahlt, eine Flasche Wasser gekauft und nur getanzt. Dann war ich wieder der glücklichste Mensch der Welt.

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