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SVEN VÄTH Vergesst das Tanzen nicht!


Sven Väth (Foto: Daniel Woeller)

Text: Heiko Hoffmann, Fotos: Daniel Woeller
Erstmals erschienen in Groove 145 (November/Dezember 2013)

Sven Väth ist einer der dienstältesten House-und Techno-DJs Deutschlands. Und einer der weltweit erfolgreichsten dazu, vor allem aber gibt es kaum einen seiner Generation, der noch so neugierig und begeisterungsfähig für neue Musik ist wie er. Wie lang Väth bereits dabei ist, lässt sich auch daran erkennen, dass nach Harthouse mit Cocoon gerade zum zweiten Mal ein Label von ihm seine einhundertste Veröffentlichung feiert. Wir trafen Väth in seiner zweiten Heimat Ibiza und sprachen mit ihm über die Veränderungen auf der Insel. Und zum ersten Mal spricht er auch öffentlich über das Ende des Cocoon Clubs in Frankfurt am Main und seinen Umzug nach London.

Ibiza an einem Wochentag im September. Die Partysaison nähert sich ihrem Ende. Sven Väth sitzt mit Johannes Goller, der für die montäglichen Cocoon-Partys im Amnesia zuständig ist, am Massivholztisch auf der Terrasse seines Hauses. Väths drei Jahre alter Sohn Tiga planscht nackt am Poolbecken, Zikaden zirpen und eine alte Keith Jarrett-Platte klingt leise aus einem Paar Bang & Olufsen-Lautsprechern. Äußerlich wirkt der 49-Jährige – die Haare abrasiert und eine leichte Edelstahlbrille auf der Nase – gleichzeitig älter und entspannter.

 

Sven, gerade erscheint der 14. Teil deiner Ibiza-DJ-Mix-Serie „The Sound of the Season“. Es gibt einen Künstler, der sowohl auf dem ersten Teil vor 13 Jahren, als auch der neuen vertreten ist. Hast du eine Vermutung, wer das sein könnte?

Sven: (zögert) Pépé Bradock ist es nicht, oder?

Nein, Roman Flügel. Auf der ersten „Sound of the Season“ ist er mit einem Track vertreten, den er mit dir zusammen produziert hat. Damals war der Sound des Mixes noch deutlich mehr Techno.

Sven: Ja, das war halt auch die Zeit. Damals gab es auch nur eine CD. In den vergangenen Jahren waren es dann ja immer zwei – ein Night-Mix und ein Day-Mix. Diesmal wollte ich etwas anderes machen. Auf den beiden CDs ist praktisch ein ganzes Set zu hören. Es geht langsam los und die zweite CD macht dann da weiter, wo die erste aufhört.

Vor 33 Jahren warst du das erste Mal auf der Insel. Du warst 16, hattest gerade eine Schlosserlehre hingeschmissen, dein erstes Arbeitslosengeld erhalten und bist per Anhalter losgefahren. Warum Ibiza?

Meine Mutter hatte sich damals neu verliebt und ist mit ihrem Lover nach Wiesbaden gezogen. Da musste ich in den sauren Apfel beißen und mit. Aber da gab es zu der Zeit gute Kneipen und die hübschesten Mädchen in Hessen. Ich bin da in eine ziemlich coole Clique reingeraten, die waren alle älter als ich und gingen in eine Bar namens Plastik. Das war so leicht angehippiet und dort war die ganze Zeit von Ibiza die Rede. Die haben mich so heiß gemacht auf die Insel, da musste ich hin. Nachdem ich mein Arbeitslosengeld vom Postboten bekommen hatte, rief ich einen Freund von mir, den Rainer, an und sagte: „In zwei, drei Stunden hauen wir ab. Rucksack, Schlafsack und los geht’s!“

Drei Monate bist du damals dort geblieben. Der Aufenthalt hat dich so geprägt, dass du DJ werden wolltest.

Das war ein ganz tiefgreifendes Erlebnis für mich. Dort wurde mir auch bewusst, dass ich DJ werden wollte. Als ich dann in Frankfurt anfing Musik zu produzieren, war mir gleich klar: „Ich mach Musik für Ibiza!“ „Electrica Salsa“, „La Casa Latina“, die Platten, die ich mit OFF gemacht habe, waren für die DJs auf Ibiza gedacht. Am Anfang haben sie mich dort belächelt, doch später haben sie mich angeguckt und gesagt: „You bastard, you made the biggest hits in Ibiza.“ (lacht)

Heute bist du – von den damaligen Resident-DJs Pippi, Alfredo und Cesar abgesehen – einer der dienstältesten DJs auf der Insel. Was waren deine Anfänge als DJ auf Ibiza?

1989 hatte ich schon die erste Party im Privilege gemacht. In den neunziger Jahren war ich zusammen mit Mark Spoon immer wieder zu Gast im Space. Sven Väth (Foto: Daniel Woeller)Es gab gelegentliche Beach-Partys. Später wurde ich regelmäßig von den englischen Partyveranstaltern Bugged Out für ihre Partys im Amnesia gebucht. Deswegen kam letzten Endes das Amnesia auf mich sich zu und fragte, ob ich mir nicht vorstellen könnte dort eine eigene Veranstaltung zu machen. Das war 1998. Ich befand mich damals in einem ziemlichen Loch, hatte gerade das Omen (einer der ersten deutschen House- und Techno-Clubs, den Sven Väth seit 1988 in Frankfurt mitbetrieb, Anm. d. A.) zugemacht, meine Labels Harthouse und Eye Q gab es nicht mehr. Ich merkte plötzlich, dass ich auf eigenen Beinen stand. Zum ersten mal war ich wirklich independent. Auf der Insel war es damals schrecklich. Trance-DJs wie Judge Jules bestimmten den Sound. Die englischen Promoter hatten völlig die Locals verdrängt. Aber ich wusste, dass wenn ich mich hier richtig reinknie, das der richtige Ort für mich ist. Das, was die Insel mir als Jugendlicher gegeben hatte, wollte ich zurückgeben. Ich musste das einfach machen! Es existierte zu der Zeit auch schon eine Achse zwischen Frankfurt und Ibiza mit Leuten, die regelmäßig zum Feiern auf die Insel flogen. Mir war klar, wenn ich eine eigene Party starte, dann habe ich meine Frankfurter Leute, die kommen. Als wir vor 13 Jahren dann anfingen, waren zunächst vielleicht nur 800 bis 1200 Leute auf den Partys, aber von denen waren sechzig oder siebzig Prozent Deutsche, der Rest Spanier.

Damals war das Musikkonzept der Cocoon-Partys neu für Ibiza. Das war eine kleine Nische im Underground. Heute ist die Art von House- und Techno-Sound, die ihr geprägt habt, hier …

… Mainstream! (lacht) Es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, außer vielleicht Berlin, wo dieser Sound so den Ton angibt. Wobei das aber auch überbewertet wird. Es gibt zwar ein Riesenangebot mit Partys, die unseren Sound spielen, aber es gibt Partys, die ein viel breiteres Publikum ansprechen. Wenn Avicii auflegt, dann kommen die Kids auch hier in Massen. Die Engländer haben für Ibiza auch ganz andere Travel-Packages. Aus Birmingham kannst du für weniger als 50 Pfund mit Ryan Air nach Ibiza fliegen. Aus Deutschland ist das viel teurer.

Johannes Goller: Der Erfolg von EDM hat auch ein neues Publikum nach Ibiza gebracht. Avicii, die Swedish House Mafia-DJs, Deadmau5 und wie sie alle heißen, das findet ja auch alles auf der Insel statt. Da stehen 10.000 Leute im Club. Und deren Publikum kennt einen Sven Väth, Jamie Jones oder Ricardo Villalobos gar nicht.

„Was machen die eigentlich hier?“

Sven Väth steht auf und holt seinem Sohn ein Eis aus der Küche. Zurück kommt er mit einem schweren Bildband. Freunde haben ihn für Väth zusammengestellt. Zu sehen sind Fotos von den Cocoon-Nächten im Amnesia und den After-Hour-Feiern am Strand der vergangenen zehn Jahre. Auf vielen der Bilder DJ-Freunde, die sich in den Armen liegen. Mit dabei auch Luciano, Richie Hawtin, Loco Dice und Marco Carolo. Fast wehmütig blickt Väth auf die Fotos. „Tja, da waren noch alle zusammen“, sagt er leise.

Ihr seid mit Cocoon Pioniere für europäisch geprägten Techno und House auf Ibiza gewesen. Aber das bringt auch mit sich, dass den Bonus des Neuen jetzt andere Partys, wie Richie Hawtin mit Enter oder Jamie Jones mit Paradise haben.

Sicher ist das eine Herausforderung für uns. Diese Saison stand für uns deshalb auch vor allem unter dem Motto back to the roots, back to the nature. Unser Marketing ist sehr zurückhaltend, wir legen den Fokus auf lange Sets und wollen damit ausdrücken: Die Party ist der Chef! Ich wollte auch diesen balearischen Vibe den Leuten näher bringen. Und nicht gleich – dash dash – loslegen. Das vermisse ich auf der Insel. Uns ist die Qualität wichtiger als die Quantität. Viele der neuen Veranstaltungen füllen ihre Partys mit Dumpingpreisen oder kostenlosem Eintritt, damit sie einen vollen Laden vorzeigen können. Zum einen können wir uns das gar nicht leisten, zum anderen wollen wir uns auch gar nicht unter Wert verkaufen.

 

Sven Väth (Foto: Daniel Woeller)

 

Die Partys, die euch heute Konkurrenz machen, werden von DJs veranstaltet, die noch vor wenigen Jahren zur festen Cocoon-Familie gehörten. Schmerzt das?

Der erste, der ging, war der Luciano, dann folgte Richie (Hawtin), der Marco (Carola) und der Dice (Loco Dice). Mir war schon bewusst, dass wenn wir so einen Erfolg mit unserer Musik auf Ibiza haben, andere Clubs darauf aufmerksam werden und meinen Headlinern Angebote machen. Über viele Jahre konnten wir das zusammenhalten, aber irgendwann halt nicht mehr. Zum Teil kommen da auch fast unmoralisch hohe Angebote. Aber diese Entwicklung bringt das Pioniersein halt mit sich. Was mich daran stört, ist, dass dem ein oder anderen die Weitsicht fehlt, in dem was er tut. Zum Teil habe ich das Gefühl, die kennen Ibiza gar nicht. Das Potenzial, das unsere Musik hat, wird da mitunter überschätzt. Es kommen gar nicht so viele Leute nach Ibiza wie es mittlerweile Partys für diese Musik gibt – oder sie haben auch nicht das Geld dafür. Und es gibt ja auch andere Orte, wo die Leute im Sommer zum Feiern hinfliegen. Kroatien zum Beispiel. Die ganzen neuen Partys spalten ja eine Szene auch und kreieren Spannungen. Man trifft sich nicht mehr, es ist alles zersplittert und verstreut.

Zuletzt machte Marco Carola mit seinem Cocoon-Weggang von sich reden. Im Unterschied zu den anderen genannten DJs wurde er nicht von einem konkurrierenden Club abgeworben, sondern vom Amnesia selbst. Für Außenstehende wirkt das befremdlich.

Das ist auch der einzige unserer ehemaligen Resident-DJs, zu dem es tatsächlich keinen Kontakt mehr gibt, weil er uns seine Entscheidung noch nicht mal selbst mitgeteilt hat. Ich habe dem meine Hand gereicht, aber ich muss auch sagen, dass ich zu alt bin für Kindergarten. Ich merke, dass es Leute gibt, denen man gewisse Sachen nicht beibringen kann, von denen ich wiederholt enttäuscht wurde. Das ist für mich auch eine Frage, wie man miteinander umgeht. Wir haben viele Leute über viele Jahre mit aufgebaut, bei uns gab es nie Verträge, alles wurde per Handschlag geklärt, da kann man auch ein bisschen Anstand und Respekt erwarten. Aber damit meine ich nicht nur den Künstler, sondern auch den Club.

Die Cocoon-Partys gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten Veranstaltungen im Amnesia. Warum gefährdet der Club diese Beziehung, indem er einem eurer Resident-DJs eine eigene Party gibt?

Tja, die Frage stellt man sich natürlich. Aber wenn man die Verantwortlichen darauf anspricht, bekommt man nur zu hören: „Ach, Sven. Du bist ein Romantiker!“ Es gibt auch neue Konzepte hier wie das Ushuaïa, die mit dem Ibiza-Spirit meiner Meinung nach gar nichts mehr zu tun haben.

Was meint du damit?

Ich habe da ja zum Season-Opening selbst aufgelegt, aber das mach ich nicht noch einmal. Da gibt es so eine Rock’n’Roll-Bühne mit Pyrotechnik und fliegenden Artisten. Das hat mit Club nichts zu tun. Für mich stellen Hotels mit Club wie das Ushuaïa ein kopiertes Miami- oder Las Vegas-Konzept dar. Die Pool-Partys, die separaten VIP-Tische, das geht mir alles auf den Sack. Das bringt so eine komische Energie in die Partys. Da stehen Leute rum, wo ich mich frag‘: „Was machen die eigentlich hier?“ Die haben mit unserer Musik doch eh nichts am Hut.

Aber den VIP-Bereich mit roter Kordel, wo man sich Tische am Abend für tausende von Euros kaufen kann, den gibt es doch auch im Amnesia und das gab es im Prinzip auch im Cocoon Club in Frankfurt.

Man muss das unterscheiden: Ein VIP-Bereich oder eine Champagner-Bar ist für mich immer willkommen. Es gibt halt Leute, die Champagner trinken und mit ihren Freunden etwas mehr Geld ausgeben wollen. Das gab es in den achtziger Jahren ja auch schon im Pacha. Da waren Schauspieler, Models, Modedesigner oder auch ältere Pärchen, die aus Madrid zu Besuch kamen. Aber wer sitzt denn heute in den VIP-Bereichen? Das sind Pusher und Hooker, Drogendealer und Prostituierte. Das hat doch mit VIP nichts zu tun, das ist doch ein ganz schlechtes Publikum! Diese Art von Gastronomie, die hier aus den USA adaptiert wird – dieses models and bottles – da kann ich drauf verzichten. Auf meinen eigenen Partys würde ich das am liebsten zu machen. Das ist kein Publikum, mit dem ich mich nicht identifizieren kann.

Terry Farley, einer der ersten englischen DJs, die House nach Ibiza brachten, meinte kürzlich, dass die VIP-Kultur der vergangenen Jahre Ibiza für alle Leute kaputt gemacht hätte, „außer für Investmentbanker und Drogendealer“.

Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber im Ansatz sehe ich das auch so. Deshalb war es für uns diese Saison auch so wichtig, einen anderen Weg zu gehen, wieder mehr lange DJ-Sets zu bringen, auf Gesichter beim Marketing zu verzichten und so weiter.

Johannes Goller: In den letzten Jahren war die Entwicklung so, dass für die Clubbetreiber sich die Partys zunehmend stärker über den Getränkeumsatz in den VIP-Bereichen finanziert haben, als über den Eintrittspreis oder den Getränkekonsum der normalen Gäste. Da werden zum Teil hunderttausende Euro an einem Tisch pro Party ausgegeben.

Sven Väth: Hinzu kommt, dass Beach Clubs wie das Blue Marlin eine eigene Klientel angezogen haben. Dort gehen dann auch die Leute hin, die die ganzen Concierge-Dienste, Private Jets und Hubschrauber und ja auch Prostitution in Anspruch nehmen.

Fühlst du dich denn immer noch wohl auf Ibiza?

Ja, aber das liegt auch an unserem loyalen Team, das über viele Jahre gewachsen ist. Es gibt wirklich sowas wie eine Cocoon-Famile. Und wir stehen mit unseren Partys ja auch auf soliden Beinen. Und die Musik und die Atmosphäre bei uns diese Saison war fantastisch.

„Schleppst du immer noch deine Koffer?“

Deine Karriere verlief sehr ungewöhnlich. Du hast als Popstar angefangen, bist praktisch vom Mainstream in den Underground gegangen und heute dennoch erfolgreicher als je zuvor. Woran liegt das?

Bei mir war das tatsächlich anders rum als bei den meisten anderen. Im Fernsehen und in den anderen Mainstream-Medien bin ich heute zum Glück ja so gut wie gar nicht vertreten. Aber der Erfolg hat natürlich auch damit zu tun, dass ich schon so lange dabei bin. Sich selbst treu bleiben, den Spaß an der Musik nicht verlieren, das Tanzen und das Feiern nicht vergessen! Ich freu mich nach wie vor über neue Musik. Mich befremden bei manchen DJs auch all die Loops und Effekte. Das ist mir teilweise viel zu aufgepeitscht. Auf vielen Partys tanzen die Leute ja auch gar nicht mehr richtig. Da wird gestanden und auf den Break gewartet und dann geht das Handy in die Luft, Geschrei und dann steht man wieder. Dabei ist das Tanzen doch das wichtigste bei einer Party! Und ich bring‘ die Leute auf meinen Partys zum Tanzen.

 


Video: Sven VäthBoiler Room X Groove DJ-Set (Dezember 2012)

 

Unter den DJs, die auch als Festival-Headliner gebucht werden, bist du mittlerweile fast der Einzige, der noch mit Vinyl auflegt.

Und einer der wenigen, der noch House und Techno spielt. Oft ist das doch so’n New Style-Mash-Up-Electronic-Schlagmichtot. Manchmal bekomme ich auch ’nen blöden Spruch zu hören. Von wegen: „Schleppst du immer noch deine Koffer?“ Aber fragst du auch einen Gitarristen, ob er noch sein Instrument trägt?

Was die Musik betrifft, die du auflegst, bist du in den vergangenen Jahren sogar eher noch undergroundiger geworden.

Das stimmt. Ich kaufe nach wie vor auch fleißig Platten und habe jemanden, der meine Plattensammlung betreut und auch Platten für mich kauft, bei Freebase in Frankfurt etwa. Ich kaufe auch viel mehr Platten als ich spiele. Ich bekomme jede Woche mein Paket geschickt und die Platten, die ich nicht mag verschenk ich dann. Ich finde es auch wichtig, die Leute, die noch Vinyl pressen lassen, zu supporten, und ich spiele ja auch fast nur neue Platte. Und wenn es einen Song nur als Download gibt, dann spiel ich ihn eben nicht.

Seit ungefähr zehn Jahren veröffentlichst du schon keine eigene Musik mehr, nachdem du lange Zeit sehr produktiv warst. Woran liegt das?

Ich habe die Musik ja nie alleine gemacht, sondern immer zusammen mit Produzenten. Lange Jahre war das mit Matthias Hoffman und Ralf Hildenbeutel. Dann auch mit Jörn Elling Wuttke und Roman Flügel, Johannes Heil und Anthony Rother. Aber als das mit Cocoon losging, mit dem eigenen Label und dem Club in Frankfurt, habe ich gemerkt, dass ich gar keine Zeit habe, wochenlang im Studio zu sitzen um an einem Album rumzuschrauben. Viele Jahre hat mir das ja sehr viel Spaß gemacht, aber am Ende waren das auch Verbindlichkeiten, die ich gegenüber Virgin hatte, an die ich vertraglich gebunden war. Ich wollte mich dann auch ganz bewusst auf meine DJ-Arbeit konzentrieren, weil es das ist, was ich am liebsten mache. Ich hab mich immer mehr als Musikfan, denn als Musiker gesehen. Vielleicht kommt der Tag ja auch wieder, wenn ich mich ins Studio setze. Mit dem Kosi (DJ Koze, Anm. d. A.) habe ich da letztens erst drüber gesprochen. Wer weiß, vielleicht passiert da ja was.

Ein Ende hat ja auch immer etwas Gutes

Vor einem Jahr musste der Cocoon Club in Frankfurt schließen. Du hast den Club selbst als dein Lebenswerk bezeichnet. War das ein herber Rückschlag für dich?

Nein, als Rückschlag habe ich das nicht empfunden. Am Ende war das gar nicht so schmerzhaft, weil ich mich emotional schon länger von dem Club verabschiedet hatte. Ich wollte eigentlich schon zwei Jahre vorher austreten. Man konnte ja schon eine Zeit lang merken, dass es nicht in die richtige Richtung läuft, ohne jemanden da jetzt Vorwürfe zu machen. Schade ist nur, dass wir in Frankfurt nicht genügend Leute dafür begeistern konnten, zu uns rauszukommen.

 

Sven Väth (Foto: Daniel Woeller)

 

Was war der Grund für die Schließung?

Da kamen viele Faktoren zusammen. Der Standort, der Anspruch, die Restaurants. Das ging halt leider nicht gut, aber das lag nicht am Club selbst. Als wir mit dem Club anfingen, wurde uns gesagt, dass sich die ganze Gegend anders entwickeln würde, sich andere Firmen dort ansiedeln würden. Das ist nicht passiert. Und Frankfurt selbst hat sich auch verändert, ist noch mainstreamiger geworden. Viele Leute sind nach Berlin gegangen, wo das Clubleben ja auch vielseitiger ist. Wir sind in eine Schieflage geraten, aus der wir uns nicht mehr befreien konnten. Ich hatte eine Wahnsinnszeit dort, für mich war das der schönste Club der Welt. Aber nichts ist für die Ewigkeit. Ich war fast froh, als es am Ende vorbei war. Ein Ende hat ja auch immer etwas Gutes.

Seit einem Monat hast du eine Wohnung in London. Warum ziehst du vom Main an die Themse?

Den Sommer über, fast sieben Monate im Jahr mit Unterbrechungen, lebe ich hier auf Ibiza. Nachdem 2012 der Cocoon Club in Frankfurt zu gemacht hat, habe ich mich halt gefragt, was mich da noch hält? Dann kam noch die Trennung von meiner Frau dazu und der Wunsch, nochmal in einer anderen Stadt zu leben. Die Überlegung war: Berlin oder London? Ich hatte ursprünglich angedacht, mit meiner ganzen Company nach Berlin zu gehen. Aber da gibt es ja auch Familien und Verpflichtungen, die haben da schnell ein Veto eingelegt. Die Firma bleibt also in Frankfurt. Ich hatte dann letztendlich einfach Lust, eine Weltstadt wie London neu zu entdecken. Das ist ja auch kulturell sehr reizvoll. Und ich will da jetzt auch häufiger auflegen. Wir haben ja eine ziemlich große Fanbase in England und mit Cocoon In The Park auch unser eigenes Festival.

Kannst du dich an deinen ersten Besuch in London erinnern?

Ja, das war 1984. Ich wollte mir die Stadt einfach mal angucken. Ich kann mich noch an einen Besuch im Club Stringfellows erinnern. Das war so ein Promi-Laden. Dass die mich da überhaupt reingelassen haben mit meinen zwanzig Jahren! Dann hatte ich meinen ersten DJ-Gig in London, das war mein erstes internationales Booking überhaupt, im Wag Club, 1988. Damals gab es bei uns noch gar keine Plattenkoffer, ich bin mit meinen Platten immer in Apfelsinenkisten in die Clubs. In dem Plattenladen Black Market habe ich mir dann meinen ersten Plattenkoffer gekauft. 1993 war ich auf einmal ein Popstar in England, durch meine Platte Accident In Paradise auf Warner. Die Presse in England, vor allem der NME, feierte mich da ziemlich ab und da war ich dann seitdem auch immer wieder als DJ zu Gast. Die Ravekultur in England ist ja etwas besonders. Im Prinzip schließt sich durch meinen Umzug auch ein Kreis für mich.

Und wo wirst du dann jetzt in Frankfurt auflegen?

Das werde ich natürlich reduzieren, vielleicht so drei oder vier mal im Jahr, im Robert Johnson oder auf dem Love Family Park. Einen neuen Club mach ich jedenfalls erstmal nicht. Und wenn dann in Berlin. (lacht)

Bezier Thumb
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