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PIONEER DJM-750 Digitaler Clubmixer


djm-750

Text: Numinos
Erstmals erschienen in Groove 143 (Juli/August 2013)

Mit dem DJM-750 und seinem großen Bruder, dem 850er, vollzieht der Traditionshersteller Pioneer einen gewaltigen Technologiesprung: Es geht um nicht weniger als die Überführung der Kernqualitäten der bestens etablierten DJM-Serie in das digitale Zeitalter – und nicht nur das: Mit umschaltbarer Klangregelung, Audiointerface-Funktionalität und zweifacher Effektsektion loten sie auch aus, mit wie viel digitaler Funktionsdichte man das bestehende Mischerkonzept aufmotzen kann. Wir haben uns den noch lötzinnwarmen Siebenfuffziger für eine Testfahrt vorgenommen.

Auf den ersten Blick präsentiert sich der DJM-750 mit vier Eingangskanälen plus einem zusätzlichen Mikro-/Line-Eingang sowie links und rechts platzierter Effektsektion als waschechter Erbfolger der DJM-Dynastie. Aber schon beim Equalizer kommt Digitaltechnik ins Spiel, denn er ist zwischen Standard- und Isolator (Kill-)Modus umschaltbar. Intern arbeitet der DJM-750 durchgängig mit 32-Bit-Auflösung. Um folglich sämtliche anschließbaren Analogquellen (Phono, Line/ CD) der digitalen Signalverarbeitung zugänglich zu machen, fungiert das Gerät gegenüber der Außenwelt auch als 4-Kanal 24-Bit-Audiointerface. Dank USB-Konnektivität und Vollduplex-Betrieb lässt es sich im Computerverbund als vollwertige Soundkarte nutzen.

 

Äußerlichkeiten

 

Pioneer DJM-75 | Bild zur Vollansicht anklicken!

In Bezug auf das Layout machen Pioneer auch mit dem DJM-750 keine Experimente. Zwar sind die Potikappen des Mikrofonkanals kleiner geworden (was sehr zur „Griffsicherheit“ im dunklen Club beiträgt und verhindert, dass man aus Versehen in den EQ langt), aber ansonsten sollten selbst DJM-600-Veteranen auf Anhieb mit dem Mischer zurechtkommen: Zentrales Element sind die vier Eingangskanäle, links daneben der zusätzliche Mikro-/Line-Eingang, rechts die Monitoring-Sektion und zuunterst die Kanalfader gefolgt vom Crossfader. Die rechte Seite des DJM-750 ziert zusätzlich ein Display, welches zum einen Auskunft über das aktuell gewählte BPM-FX-Programm gibt, zum anderen das Tempo und zusätzliche Parameter des jeweils aktiven Effektes visualisiert. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist die thematisch und real – zwischen dem Display und den unteren Steuerelementen für die Beat-FX – „eingeschobene“ Color-FX-Abteilung.

 

Anschlüsse

 

Pioneer DJM-75 | Bild zur Vollansicht anklicken!

Die Rückseite des DJM-750 liefert ein aufgeräumtes Bild: Pro Eingangskanal stehen hier jeweils zwei Stereo-RCA-Eingänge zur Verfügung, von denen allerdings nur die Kanäle eins und vier auf Phono-Vorverstärkung umschaltbar sind. DJs, die sich den Luxus von vier Decks erlauben, haben erst mal das Nachsehen, es sei denn, sie besitzen Turntables neuerer Bauart, die bereits über einen integrierten Entzerrvorverstärker verfügen. Ausgangsseitig stehen neben einem symmetrischen Stereo-XLR-Out ein Master-2-, ein Booth und Record-Out sowie ein Digitalausgang zur Verfügung. Lobenswert: die Stereo-Aux-Schleife, über die sich externe Effekte hereinholen lassen.

 

Praxis

 

Der Pioneer reiht sich nahtlos in die gute Tradition der DJM-Baureihe ein, die ja nicht ohne Grund zum Clubstandard geworden ist. Alle Fader pflügen ohne Murren durch ihre Bahnen, die EQ-Potis haben einen guten Grip und die Fertigungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Überhaupt ist das Platzangebot des 32 Zentimeter breiten und 37,6 Zentimeter tiefen Mixers als überaus großzügig zu bezeichnen. Die Klangregelung – immer schon eine der besseren Qualitäten von Pioneer – packt ordentlich zu, erhält dabei auch in Extremeinstellungen fast immer die musikalische Integrität des Musikmaterials. Spielfreudige DJs finden in der Beat- und Color-FX-Abteilung ein reges Betätigungsfeld.

Pioneer DJM-75

Besonders die 13 Effekte der Beat-FX-Sektion, die im Zusammenspiel mit dem äußerst schnellen und treffsicheren Beatcounter agieren, glänzen durch hervorragende Klangqualität und musikalisches Regelverhalten. Der Color-FX-Knopf (Noise, Jet, Crush und Filter) dagegen sollte sparsam betätigt werden. Auch und gerade wenn man ihn in Verbindung mit der Boost-Funktion einsetzt, die dem Effekt noch ein sehr prägnantes Analog-Delay hinzufügt, das mit dem typischen „Ping-Pong-Ball-Effekt“ endet.

 

Fazit

 

Pioneer setzen die DJM-Tradition in Bezug auf Layout und Funktionalität so konsequent fort, dass man dem DJM-750 eigentlich erst im Computerverbund – wo er sich als hochwertiges Vierkanal-Audiointerface und vollwertiger MIDI-Controller zu erkennen gibt – anmerkt, dass er ein waschechtes Digitalpult ist. Dank des äußerlich eher homöopathischen Redesigns kommen selbst DJs, die noch mit dem „alten“ 600er arbeiten, auch mit dem 750er auf Anhieb klar. Preislich rangiert der Mischer allerdings an der Obergrenze dessen, was man ohne rot zu werden verlangen darf. Hier bezahlt man – gute Verarbeitung, klasse Sound und ausgefuchste Digitalfunktionen – eben auch für den guten Namen auf der Faceplate.

UVP: 999 Euro / Straßenpreis: ca. 999 Euro

 


Video: Pioneer DJM-750Official Walkthrough

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