Menu

MEHR BASS! Juli/August 2013


mehr-bass-143

Steuert man auf der Suche nach Young Echo die Webseite des Kollektivs aus Bristol an, dann stößt man dort zuallererst auf den Podcast, den die fünfköpfige Gruppe in unregelmäßigen Abständen in die Weiten des Internets aussendet. Ein Blick auf die Gästeliste der Sendung, die unter anderen den House-Avantgardisten Jamal Moss, den Bristoler Dubstep-Paten Pinch und den Drone/Noise-Künstler The Haxan Cloak versammelt, gibt eine ungefähre Vorstellung von den Klängen, die auf Nexus (Ramp), dem Young Echo-Debütalbum, zu finden sind. Die bekanntesten Vertreter des Kollektivs, dessen Mitglieder in diversen Kombination weitere Untergruppen bilden, heißen Vessel und Kahn. Während ersterer im vergangenen Jahr mit Order Of Noise (Tri Angle) ein hochgelobtes Album zwischen Ambient, Industrial und Techno vorlegte, machte letzterer mit einer Reihe von Maxi-Singles auf sich aufmerksam, auf denen er die britischen Bassmusik-Stile – stets unter deutlichem Reggae-Einfluss – durchexerzierte. Auf Nexus knüpft die gesamte Gruppe an diese musikalischen Koordinaten an und verschmilzt sie zu einem mäandernden Fluss aus Drones, verschleppten Beats, wummernden Bässen und Echo-Effekten. Jede Menge Echo-Effekte, um genau zu sein – denn passend zum Namen der Gruppe ist der gemeinsame Nenner ihrer Musik vor allem Dub. Nexus besitzt dank der Gastbeiträge von Sängern und Rappern und atmosphärischer Zwischenspiele eine geschickt ausgeklügelte Dramaturgie. Ein neues Blue Lines für die zehner Jahre kommt dabei zwar am Ende nicht heraus, dafür aber ein erstaunlich reifes Statement der jüngsten Produzenten-Generation Bristols.


Stream: Young EchoBlood Sugar

 

Nicht zum Young Echo-Kollektiv gehört der aus Manchester stammende Alex Coulton, der mit seiner jüngsten 12-Inch „War Games / Pointe Noire“ (Dnuos Ytivil) aber nahtlos an die Ästhetik der Gruppe anknüpft. Nachdem Coulton in vergangener Zeit vor allem mit UK House (unter anderem für Labels wie Hypercolour und 2nd Drop) auf sich aufmerksam gemacht hat, ist seine neue Platte von einem ganz anderen Kaliber. „War Games“ ist ein kongenialer Broken-Beat-Track mit Samurai-Film-Samples und tonnenschwerem Dubstep-Basslauf, die B-Seite bietet eine Bass-House-Exkursion mit Tribal Drums für die dunkelsten Tanzflächen des Planeten.


Stream: Alex CoultonWar Games / Pointe Noire (Clips)

 

In ein ähnlich lichtscheues Umfeld gehört auch das aktuellste Vinyl-Lebenszeichen von Helix. Wer dem Twitter-Profil des Produzenten aus der US-Südstaaten-Metropole Atlanta folgt, könnte leicht den Eindruck bekommen, er sei ein großmäuliger Gangster-Rap-Fan mit White-Trash-Hintergrund. So weit ab vom Schuss liegt man mit dieser Vermutung nicht, schließlich verscherbelt er unter dem Namen Trakmaster auch Ghetto-House-Edits diverser Rap-Hits. Als Helix hat er eine durchschlagende Mischung aus Südstaaten-Bounce und minimalistisch-brachialem Techno entwickelt, die 2012 auf Maxi-Singles wie „Stacks Riddim“ (All Caps) und „Drum Track“ (Night Slugs) zu hören war. Auch für seinen aktuellen Beitrag zur „Club Constructions“-Serie von Night Slugs macht es sich seine Außenseiter-Position wieder zunutze: „Whoosh Ice Dispenser“ räumt mit wirbelnden Kickdrums und hüpfenden Crunk-Bässen einfach alles aus dem Weg, „Linn Jam“ (in zwei Versionen) ist genialer Techno-Brutalismus und das siebenminütige „Damnson“ lässt er einfach mit einem drei Minuten langen Handclap-Loop auslaufen. Im Fall von Helix heißt es allemal: Frechheit siegt!


Stream: HelixClub Constructions Vol. 4 (Clips)

 

Im kalten Finnland werkelt Risto Roman alias Desto bereits seit Jahren an seiner Version von Hip-Hop-beeinflusster Bassmusik. Sein Klangdesign wird noch stärker von Handclaps und 808-Drums dominiert als bei Helix. Hinzu mischt Desto anstelle von Techno Stilelemente von Grime und Jungle. Seine tiefergelegten Beats präsentiert er nun in Album-Länge unter dem Titel Emptier Streets (Rwina) – mit Höhen und Tiefen.


Stream: DestoEmptier Streets

 

Noch so ein Außenseiter ist Lil Jabba: Der Australier studiert in seinem zweiten Leben Kunst in Baltimore an der US-Ostküste, malt großformatige Gemälde und ist gleichzeitig Mitglied der Footwork-Clique Teklife um DJ Rashad und DJ Spinn. Mit dem Segen der Chicagoer Pioniere versehen, entwirft Lil Jabba auf seinem Debütalbum Scales (Local Action) eine eigensinnige Version des Stils, der ungewöhnliche Klangquellen mit originalem Juke-Bounce vermählt.


Stream: Lil JabbaMaven

 

Knapp zweihundert Kilometer weiter nordöstlich meldet sich unterdessen der Produzent Kingdom mit dem fantastischen Mini-Album Vertical XL zu Wort. Mit seinem Label Fade To Mind hatte sich der New Yorker zuletzt um die Renaissance des Ballroom House verdient gemacht. Nach eigenen Ausflügen in das Gebiet der Voguing-Musik klingt seine neue EP wieder breiter gefächert. Kingdom vereint auf Vertical XL wie niemand zuvor Ballroom-Einflüsse mit Soul-Elementen und Synthie-Pop zu extrem ansteckendem Cyber-R&B.


Stream: KingdomVertical XL (Preview)

GROOVE 161

Mit unserer großen Titelstory anlässlich des 40. Geburtstags der Maxi-Single, einem 14-seitigen Special zu arabischer Clubmusik, der exklusiven Mix-CD von Job Jobse uvm.

Releases der Woche

Alt und neu: Plaid, Radio Slave, Jeroen Search und der Jubiläumscompilation von Blueprint sowie Daniël Jacques, Keita Sano und Debüts von Vicmari und Asher Levitas.

Lady Blacktronika

DJ, producer, label owner, Disco aficionada – there’s many sides to Akua Grant. Her mix for the Groove podcast explores the latter.

Summer up fürs Melt! Festival 2016

Das kommende Melt! Festival bietet mehr als nur ein sattes Programm. Wir verraten euch unsere Highlights und verlosen in Kooperation mit Desperados Tickets!

James Blake

In his exclusive interview with Gianina Selejan, the British producer talks about his new album, depression and trying to do exactly what it is he wants to do.

Andreas Gehm

Der Acid-Liebhaber ist vergangenen Sonntag gestorben. Thomas Venker vom Kaput Mag erinnert sich an einen Menschen, der uns mit mehr als Musik bereichert hat.

KETEV

Yair Elazar Glotman’s work can hardly be pigeonholed. Read our interview with the producer and listen to a track from his new album under his KETEV moniker.

Wilde Möhre 2016

Bei dem nachhaltigen Festival gibt es weit mehr als nur Musik – nämlich noch sieben weitere Programmsparten. Mit dabei ist unter anderem Marcus Worgull.

Bjarki

Don’t think you’ve figured out Bjarki, because you clearly haven’t. The Icelandic producer’s 10 favourite tracks will surprise you. Oh, and he’s starting a label.

Asher Levitas

Old Apparatus-Mitglied Asher Levitas gibt auf „Lit Harness“ Einblick in sein Seelenleben, bleibt aber unnahbar. So schaut auch das Video zu „Withdrawn“ aus.

Oddgrad

Hobbies: Fischermützentragen und Harsh Noise. Oddgrads neue EP bei Gang Of Ducks bietet kratzigen Minimalismus. Hört sie bei uns in voller Länge!

Stanislav Tolkachev

Der neue Track des Ukrainers auf I/Ys zweiter „Moments“-Compilation klingt wie immer: Anders. Für die Releaseparty der EP verlosen wir Tickets!

MIRA Festival Berlin 2016

Spanisches Bier, außerweltliche Visuals und Musik abseits der Konventionen: Groove-Autorin Cristina Plett erlebte die Berlin-Premiere des Mira Festivals.