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DOKUMENTARFILM We Are Modeselektor

Die Sonne bestrahlt den von grünen Sträuchern und saftigen Bäumen umrankten Tisch. Darauf der generationenübergreifende Gesprächskatalysator schlechthin: Kaffee und Kuchen. Wir befinden uns in einem Vorgarten in Rüdersdorf, einer idyllischen Gemeinde östlich von Berlin, der Heimat der beiden Jugendfreunde Sebastian Szary und Gernot Bronsert. Es ist der Ort, an dem die Karriere von Modeselektor ihren Anfang nahm und wo Szary im elterlichen „Schuppen“ sein erstes Studio hatte, das Mitte der neunziger Jahre vor allem als nächtlicher Treffpunkt der Techno-Dorfjugend diente. Es ist der Schuppen, an dessen Tür Szarys Mutter regelmäßig im Nachthemd klopfte, um sich über die lauten Bässe zu beschweren, wie sie beim Kaffeekränzchen erzählt.

Spätestens hier wird deutlich, was es eigentlich mit dem „We“ im DVD-Titel auf sich hat. Denn eigentlich ist hier alles ein großes Wir, ist alles irgendwie Familie. Die provinzielle Jugend, in der man zusammen mit Freunden im stillgelegten Zementwerk feierte, später die erste WG in Berlin-Mitte oder die ersten Modeselektor-Clubnächte im „Kurvenstar“ Ende der Neunziger, bei denen von „Rave-Iechno bis hin zu Otto-von-Schirach-artigem Noise-Hip-Hop“ alles gespielt wurde, wie Torsten Pröfrock alias T++ bemerkt.

Mithilfe des reichen Archivmaterials und den Interviews mit alten musikalischen Weggefährten wie etwa Sascha Ring alias Apparat ist ein persönlicher Film entstanden, der jedoch oft erwartbar bleibt. Denn es ist keine Neuigkeit, dass sich die Berliner Techno-Haudegen bestens eignen für das altbekannte Popkultur-Narrativ über die geerdeten, authentischen Künstler. Während die Live-Mitschnitte von internationalen Gigs mit Nahaufnahmen euphorisierter Fangesichter immer wieder mit den ruhigen Landschaftsbildern aus der ehemaligen Heimat kontrastiert werden und das etwas zu stark betonte Auf-dem-Boden-geblieben-Sein zwischendurch ein wenig zähflüssig wird, retten vor allem die Szenen mit den Künstlermüttern den Film vor zu viel Pathos. Positiv ist auch, dass der Nostalgiemodus stets vermieden und stattdessen eine Philosophie erkennbar wird, für welche die Musik von Modeselektor selbst, aber auch ihre Labels Monkevtown und 50 Weapons stehen, nämlich die stetige Innovation und der Blick nach vorne. Der virtuose künstlerische Spagat zwischen „Zugänglichkeit und Radikalität” (Thaddeus Herrmann, De:Bug), den die Berliner seit Beginn ihrer Karriere perfektioniert haben, verspricht eine interessante Zukunft.

We Are Modeselektor (D, 2012) | Regie: Romi Agel & Holger Wick | mit: Modeselektor, Sascha Ring, Tosten Pröfrock, Thaddeus Herrmann u.a. | Label / Vertrieb: Monkeytown / Rough Trade | Format: DVD und Blu-Ray

 


Video: TrailerWe Are Modeselektor


29.05.2013 Text: Philipp Rhensius