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TRACK-BY-TRACK Daft Punk – Random Access Memories


daft-punk

Den Preis um die geschickteste Bewerbung für das neue Album wurde bis vor kurzem lange Zeit Daft Punk zugedacht. Das Duo ließ pointiert Werbung im Fernsehen, an Häuserfassaden und im Internet platzieren und konnte damit sukzessive Spannung aufbauen. Dass sie von Boards Of Canada mit ihrer Zahlenkryptik starke Konkurrenz vor allem in Sachen Kreativität bekommen haben, schmälert keinesfalls die Aufregung um das vierte Studioalbum von Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter. Im Gegenteil, nach der Veröffentlichung der ersten Singleauskopplung „Get Lucky“ sind Daft Punk mit ihrem neuen Album wieder in aller Munde. Wir durften Random Access Memories in einem Tonstudio in Berlin-Kreuzberg schon vor der Veröffentlichung am 17. Mai Probe hören. Unsere Eindrücke Track für Track:

 

01. Give Life Back to Music (feat. Nile Rodgers)
Die Musik wieder mit Leben zu füllen, könnte ein Leitsatz des neuen Albums sein. Der Auftakt gestaltet sich mithilfe von opulenten E-Gitarren-Klängen von Nile Rogers akustisch statt elektronisch und stellt eher Mensch als Maschine in den Mittelpunkt. Die 4/4-Bassdrum leitet die Musik in Disco-Fahrwasser, das durch mithilfe von Vocodern verzerrtem Gesang die besondere Daft Punk-Note bekommt.

02. The Game of Love
„The Game of Love“ ist einer der wenigen Tracks ohne Gastmusiker. Ein verspielter Bass lockert die Wehmut des emotionalen Roboters im Gewand von 1980er Disco auf. Das Stück nimmt sich Zeit und lässt den live eingespielten Melodien von Piano, Synths und Drums viel Raum.

03. Giorgio by Moroder (feat. Giorgio Moroder)
Mit knappen neun Minuten Laufzeit ist „Giorgio By Moroder“ das längste Stück des Albums. Es beginnt mit einem Interviewausschnitt, in dem Moroder davon erzählt, wie er vor seiner Karriere davon träumte, Musiker zu werden. Er schließt mit „Everyone calls me Giorgio“, wonach die dominierende Synthesizer Melodie einsetzt, getragen von der von Moroder populär gemachten 4/4-Bassdrum. Das Stück baut sich im Zusammenspiel von Synthesizern und opulenten Streichern zu einer fast epischen Klangfläche auf und ist einer der Höhepunkte des Albums.

04. Within (feat. Gonzales)
Auf das längste folgt das kürzeste Stück mit Chilly Gonzales, das mit einsamen Pianoklängen beginnt. Dazu gesellt sich wieder durch einen Vocoder verfremdeter Gesang, der dem ein wenig schnulzigen Stück eine Note Roboterschmerz verleiht.

05. Instant Crush (feat. Julian Casablancas)
Zusammen mit The Strokes-Sänger Julian Casablancas ziehen Daft Punk mit „Instant Crush“ das Tempo wieder an. Mithilfe schrammelnder Gitarren und einem E-Gitarrensolo das wohl rockigste Stück auf Random Access Memories.

06. Lose Yourself To Dance (feat. Pharrell Williams and Nile Rodgers)
So könnte ein positiv-utopischer Entwurf von Clubmusik klingen. Ein rumpelnder Beat, funkige Basslinien und Gitarenakkorde und der Gesang von Pharrell Williams fügen sich zu einem Dancetrack mit Ohrwurmcharakter zusammen.

07. Touch (feat. Paul Williams)
Zwischen Berghütte und Weltraumszenario, Wind und Kontrollpult entspannt „Touch“ mit dem Gesang von Paul Williams und Daft Punk ein Netz von Gedanken über Selbstfindung, Sehnsüchte und Durchhaltevermögen. In unterschiedlichen musikalischen Teilen durchläuft das Stück Disco-Beats, verstörende Dissonanzen und Streicherarpeggien. Ein fordernder und vielfältiger Track.

08. Get Lucky (feat. Pharrell Williams and Nile Rodgers)
Auf „Get Lucky“ wird der Produzent und Musiker Nile Rogers zum dritten Mal gefeatured und wie bei „Lose Yourself To Dance“ erweist sich die Zusammenarbeit von ihm mit Daft Punk und Pharrell Williams als hitverdächtig. Die erste Singleauskopplung des Albums erreichte nicht umsonst in unzähligen Downloadcharts Platz 1.

09. Beyond
Auch bei „Beyond“ scheinen orchestrale Elemente durch. Jedoch setzen Töne von der Slide-Guitar einen Kontrast zu den Bläsern und Streichern und es klingt fast wie das Aufeinandertreffen der „neuen“ und der „alten“ Welt zwischen Disco und Klassik.

10. Motherboard
Drumgefrickel und bauchiges Gluckern führen zu mit Streichern gestütztem Disco, der sich für kurze Zeit in Downbeat verwandelt und im Regenschauer endet. Synths dringen durch die Tropfen, der Beat taucht gebrochen auf und verschwindet wieder, bis sich der Schauer in einzelne Tropfen verwandelt.

11. Fragments of Time (feat. Todd Edwards)
Liest man den Namen Todd Edwards, würde man vielleicht Musik erwarten, die in Richtung Garage geht. Aber das Album bleibt sich und damit der Anlehnung an Disco treu. Der für Daft Punk typische Einsatz des Vocoders und die verzerrten Gesangsspuren funktionieren hier wie auch in den anderen Stücken als Brücke zwischen den verschiedenen musikalischen Teilen und kennzeichnen einen Umschwung. Dadurch erhalten die Stücke den besonderen Daft Punk-Touch, ohne dass der Vocoder durch Überpräsenz nervt.

12. Doin‘ It Right (feat. Panda Bear)
Panda Bear beschert dem Album mit seiner Gesangslinie eine Popperle. Analog klingende Drums stolpern electroid zu Lennox‘ Stimme und verwandeln sich in einen kraftvollen four-to-the-floor-Beat. Die relativ minimalistische instrumentale Gestaltung passt wunderbar zur sanften Gesangslinie. Besonders, wenn der Bass nach der Bridge wieder einsetzt, platzt das Euphorie-Bonbon.

13. Contact (feat. DJ Falcon)
Für den Abschluss des Albums holten Daft Punk DJ Falcon ins Boot, der Anfang der 2000er für zwei Singles mit Thomas Bangalter das Duo Together bildete. „Contact“ beginnt mit einem Vocalsample wie aus einem Funkgerät und steigert sich zu einer Melange aus orchestraler Epik und rockigen E-Gitarren, die sich zu einer gewaltigen Klangwand aufbäumt. Ein Synthesizerklang steigert seine Tonhöhe und suggeriert Schnelligkeit, geht dabei fast an die Schmerzgrenze. Kurz vor dem Erreichen einer gefühlten Höchstgeschwindigkeit bricht der Ton ab, die Maschine scheint auseinanderzufliegen. In seiner Intensität ist „Contact“ ein passender Abschluss für das opulente Disco-Album Random Access Memories.

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