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KOLUMNE Ewan Pearson


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Übersetzung: Matthias Jost

Wer mein Studio besucht, findet in der Toilette auf Augenhöhe eines pinkelnden Mannes ein Schild. Darauf steht in flotten Kursivbuchstaben: „If you miss when you piss, wipe it up!“ (Wenn du daneben pisst, wisch es auf!). Jedes Mal, wenn ich aufs Klo gehe, bringt mich dieser abgedroschene, einsilbige Reim zum Lächeln. Die Toilette wurde früher ziemlich schmutzig. Seit das Schild hängt, hat sich das erledigt. Der Mann, der dieses Schild schrieb, Martin Dawson, war auch ziemlich heiter und sympathisch, und dazu noch gut in seinem Job.

Am 1. November zur Mittagszeit brach Martin in unserem Studio zusammen. Später wurde eine Arterienerweiterung als Ursache diagnostiziert. Er wurde wenige Minuten später von Sasse Lindblad, einem meiner anderen Studiopartner, gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht. Zwei Wochen später starb er. Bei uns, die ihn jeden Tag in der Arbeit sahen, auch wenn es nur für eine Tasse Tee oder einen kurzen Tratsch war, um einen Mix anzuhören oder um über ein neues Kompressor-Plugin zu reden, ist es noch immer nicht richtig angekommen. Er ist nicht da, eine Tür weiter, er sollte da sein, und es ist zutiefst unfair.

Und wir sind nur eine Handvoll Menschen ziemlich weit hinten in der Reihe derer, die Martin jetzt vermissen. Neben Familie und Freunden sind da die Tausenden, die seine Musik kannten. Als DJ werde ich die lasergeführte Präzision seiner Tracks vermissen; so viele tolle Veröffentlichungen alleine in den letzten zwölf Monaten. Sie waren immer eine sichere Bank, die „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte, aber großzügig und freudvoll. Man wusste immer, dass man damit, auch brandneu und ungemastert, den Dancefloor wegblasen würde.

Diese Woche findet im Krematorium von Treptow in der Stadt, die viele von uns zu unserer Heimat gemacht haben, seine Beerdigung statt. Wie das bei Beerdigungen nun mal so ist, wird es viel Trauer geben, aber auch Witze und Anekdoten und glückliche Erinnerungen. Es gibt so viel, an das wir uns erinnern können, und doch nicht annähernd genug. Wir fangen gerade erst an, uns zu verabschieden.

P.S.: Dies ist meine letzte Kolumne für Groove. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich bei einem Gig angesprochen oder mir eine Nachricht geschickt haben, um mir zu sagen, wie sehr sie ihnen gefallen hat, und vor allem bei Heiko Hoffmann, der mich gegen alle meine Zweifel überhaupt erst dazu überredete, sie zu schreiben. Es war mir ein großes Vergnügen. Ich hoffe, bald wieder auf diese Seiten zurückzukehren. Also bis bald!

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