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FREISTIL November/Dezember 2012


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Gilles Peterson ist ja Stammgast dieser Kolumne, diesmal überreichen wir ihm die Goldmedaille für den Weltrekord im Veröffentlichen von neuen Acts. Damit schlägt er gar A&R-Legenden wie Clive Davis von Arista oder Chris Blackwell von Island Records. Vergangenen Monat hatte Michael Rütten bereits seine Brownswood Bubblers Folge 8 erwähnt, diesmal ist es Brownswood Electr*c 3 (Brownswood) mit quasi 14 Newcomern aus dem Post-Dubstep-, Neo-Trip-Hop-, Slow-Mo-Electronica-Underground, die sich werkimmanent Krampfhaft, BMBxSpaceKid, Metabeats, Djrum oder Dub Phizix nennen. Dass Masse noch keine Klasse macht, ist klar, es wird Jahre dauern, bis diese Projekte (auch die der Brownswood Bubblers und anderen Brownswood-Compilation-Serien) grandiose Alben vorlegen, doch frönt es dem Zeitgeist (vor allem der Geschwindigkeit des Lebens an sich), dass jemand wie Peterson einen gut selektierten Überblick gibt. Wer auch sonst?!

Ein alter Weggefährte von ihm: Kirk Degiorgio (As One, Offworld, Beetlejuice, Elegy u. a.) veröffentlicht nach 2006 sein zweites Album unter dem Alter Ego The Beauty Room, welches sich, wie sein Vorgänger auf Peacefrog, in Gänze dem Folk, Soft Rock, Soul und R&B der späten Sechziger und frühen Siebziger hingibt. The Beauty Room II (Far Out) ist gut und professionell gemacht, bedient sich Degiorgio doch der Zuarbeit von Sessionmusikern von Johnny Cash, Jamiroquai, Paul McCartney, Dire Straights, Herbie Hancock oder Elvis Costello, gar einem Grammy-winning Engineer und oben drauf noch einem Streicher-Arrangeur, der sonst für Bowie, die Stones oder Elton John arbeitet. Also schon ein rundum perfektes Album für den Beauty Room, nur eine Frage stellt sich heute, wer braucht ein Replikat des Golden Age der 60s/70s-West-Coast-Ära (Doobie Brothers, Crosby, Brian Wilson etc.)? Wir überreichen Degiorgio aber trotzdem gerne den Steely Dan-Award.

Die Jazz-Trophäe erhält Kenny Cox für sein warmes, leicht verdauliches Album Clap Clap! The Joyful Noise (180 Proof), das aus dem Strata Records Inc.-Katalog (1973-1976) aus Detroit stammt und von 180 Proof-A&R Amir Abdullah (Kon & Amir) quasi kuratiert, restauriert und wiederveröffentlicht wurde. Mehrere Strata-Alben von Bert Myrick, Sphere, Maulawi oder dem bekanntesten Strata-Artist Lyman Woodard sollen folgen. Vorab gibt es für Kenny Cox eine 10-Inch mit einem Kon-Remix sowie eine vinyl only 12-Inch Remix-EP featuring Lord Finesse, Marc Mac (4Hero), Rainer Trueby und Geology. Wer die Lyman Woodard Organization mag, kann sich das Kenny Cox Album freudvoll einverleiben, birgt es gar Phrasen, die man von Lyman Woodards „Saturday Night Special“ kennt.

Ein paar Maxis, die aus dem Gros an Veröffentlichungen herauslugen, sind: Vaals „Cine / Mathe“ (Baarstard), die mit tieferen Orgeltönen einen leicht sakralen House auslotet, Jimpster, der auf „These Times“ (Freerange) mit Kirk Degiorgios Beauty Room-Sänger Jinadu etwas harmonischer rangeht und Lyrisches aufs House-Parkett legt, die Kroatin Elina Monova auf „Something Special“ (Rest! Music) mit einem Eddie C- sowie Herb LF-Remix; ferner mehr organisch, sakral New Wave bis folky, so eine halb spirituelle Mischung aus David Sylvain, Martin Gore und Erland Øye, und auf jeden Fall eine Entdeckung: Dan Bodan „Aaron“ (DFA) mit zwei Remixen vom finnischen Duo Rennaissance Man.

Einen überzeugenden Song, der irgendwie hängenbleibt und nett groovt, entdeckte Theo Parrish und veröffentlichte ihn auf Sound Signature: Andrew Ashong „Flowers“. Auch sehr fein kommt die EP „Based On Misunderstandings 05“ von Phil Gerus (Sonar Kollektiv), auf welcher der 23-jährige russische Pianist dem ganzen Synthesizer-Boogie-R&B-Swing-Spektrum der Achtziger recht gekonnt soulful und natürlich elektronisch modernisiert ein Fünkchen abgewinnt. Glo-Fi-Chillwave sagt das Infosheet dazu.

Ferner gibt es für die flüggen Funk-, Afro-, Disco-Adepten wieder funky Vogelfutter: Sadar Bahar presents Soul In The Hole (BBE), mit dabei Johnny Harris, Maxayn, Seawind, Moses oder Carlos Garnett. Münchens Tramp Records veröffentlicht The Story Of Roy Porters Soundmachine auf 2-LP/CD mit Hits wie „Jessica“ sowie der Biografie des Drummers und seltenen Photos im zwölfseitigen Booklet. Wer es von den funky Freaks lieber neu, glitschig und aseptisch mag, beziehungsweise wer eher die neuen Aerobic-Funk-Tunes verfolgt, dem sei noch die Compilation The Boogie 3 (Tokyo Dawn) empfohlen, auf der sich ein paar der üblichen Verdächtigen wie Colonel Red, DJ Vadim, Wagon Cookin’, Yellowtail, Reeno oder Blaktroniks mal an schweren, mal an leichten, auf jeden Fall überwiegend langsamen Synthesizer-Funk-Boogie-Tunes abgrooven.

 


Stream: Rdio-PlaylistFreistil (November/Dezember 2012)

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