marcel-fengler-berghain05-compilation-cover-review

MARCEL FENGLER Berghain 05 (Ostgut Ton)

Anbiederung an vermeintliche Erwartungen der Hörer ist eins der größten Probleme der aktuellen Clubmusik. Wenn die Musik die Reaktion des Hörers vorwegnehmen will, muss dieser sich betrogen fühlen. Manch ein DJ setzt dieser Tendenz Unversöhnlichkeit oder Arroganz entgegen. Anders Berghain-Resident Marcel Fengler. In seinem als B e r g h a i n  0 5 erschienenen Technomanifest steht die Musik ganz und gar für sich. Keiner der Tracks protzt mit Härte, verfällt in kraftmeierische Posen oder arbeitet mit klanglichen Klischees. Es gibt keinen Effektschmalz, keine Breaks, nichts Aufgepfropftes. In keinem Moment erstarren die technoiden Klänge zum Stereotyp. Das Set ist in vier gewaltige Kapitel eingeteilt: Eine erhaben schöne und zugleich verstörende Eröffnung liefern Emika und Peter Van Hoesen. In einer Serie hochkonzentrierter Tracks etablieren Regis, Luke Slater oder Secret Cinema ein packendes Ensemble technoider Klangräume. Jeder einzelne Track steht für sich, und doch findet Fengler immer Elemente, die das einzelne Stück in Beziehung zu seinem Nachfolger setzen. Mit Seijis Breakbeat-Nummer „More Of You“ hält Fengler für einen Moment inne, um mit Tracks von Ben Sims, Vril oder Claude Young die Energien zu bündeln und mit treibenden Figuren auf den Höhepunkt zuzuarbeiten. Den erreicht das Set mit dem manischen „Sphinx“ von Fengler selbst. Dessen Euphorie wird von Skudge perfekt aufgefangen. Move D, Ralph Lawson und Convextion lassen das Set mit innigen, detroitigen Tracks verklingen.


02.10.2011 Text: Alexis Waltz